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Neue Elektroinstallation: Kosten, Ablauf und Planung

Von Martin Seidel · Veröffentlicht: 05.09.2026 · 5 Min. Lesezeit
Neue Elektroinstallation: Kosten, Ablauf und Planung

Wer ein älteres Haus kauft oder grundlegend saniert, kommt früher oder später an den Punkt, an dem die Elektroinstallation erneuert werden muss. Schmelzsicherungen aus den 1970er-Jahren, zu wenige Steckdosen im Wohnzimmer oder fehlende FI-Schutzschalter sind keine Kleinigkeiten. Sie sind Sicherheitsrisiken und in vielen Fällen auch versicherungsrechtlich relevant. Doch was kostet eine komplette Neuinstallation wirklich, wie läuft das Projekt ab und worauf sollte man bei der Planung achten?

Was eine neue Elektroinstallation tatsächlich kostet

Die Kosten hängen von mehreren Faktoren ab: Wohnfläche, Anzahl der Stromkreise, Qualität der Materialien und dem Aufwand für Putzarbeiten nach dem Verlegen der Leitungen. Als grober Richtwert gilt: Für eine Eigentumswohnung mit 80 Quadratmetern sollte man mit 8.000 bis 15.000 Euro rechnen, wenn die gesamte Elektrik erneuert wird. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern können es schnell 18.000 bis 30.000 Euro werden, je nachdem ob eine Wallbox für ein Elektroauto, eine Photovoltaikanlage oder ein Smarthome-System integriert werden soll.

Der reine Lohnkostenanteil liegt typischerweise bei 40 bis 60 Prozent des Gesamtpreises. Elektriker berechnen je nach Region zwischen 65 und 110 Euro pro Stunde. Hinzu kommen Materialkosten für Kabel, Verteiler, Schalter, Steckdosen und den Zählerschrank. Wer günstigere Schalterserien wählt, kann hier sparen. Wer auf Markenqualität setzt oder designorientierte Produkte einbauen möchte, zahlt entsprechend mehr.

Die häufigsten Kostenfallen

Viele Bauherren unterschätzen den Aufwand für das Stemmarbeiten und die anschließende Wiederherstellung der Wände. Wer Aufputzleitungen vermeiden will, muss Kabelkanäle in den Putz fräsen oder stemmen lassen. Das ist zeitaufwendig und bedeutet, dass Malerarbeiten oder sogar Putzarbeiten im Anschluss nötig werden. Diese Folgekosten sind im Angebot des Elektrikers in der Regel nicht enthalten.

Ein weiterer Punkt: der Zählerschrank. Entspricht er nicht den aktuellen VDE-Vorschriften, muss er komplett ersetzt werden. Ein neuer Zählerschrank mit Unterverteilung, FI-Schutzschaltern und Leitungsschutzschaltern kostet je nach Ausstattung zwischen 800 und 2.500 Euro inklusive Montage. Der Netzbetreiber muss außerdem informiert werden, da er den Zähler aus- und wieder einbaut. Das kann Wartezeiten von zwei bis vier Wochen bedeuten.

Planung: Was vor dem ersten Spatenstich geklärt sein muss

Eine gute Planung beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Welche Leitungen sind noch vorhanden, welche können erhalten bleiben? Bei Leitungen, die vor 1973 verlegt wurden, ist Vorsicht geboten. Viele enthalten noch Aluminium als Leitermaterial, was mit modernen Kupferleitungen nicht ohne Weiteres verbunden werden darf. Ein erfahrener Elektriker erkennt das auf den ersten Blick.

Dann geht es um die Stromkreisplanung. Heute gilt: Jeder Raum sollte mindestens einen eigenen Stromkreis haben. Küche und Bad verlangen eigene Absicherungen. Wer eine Induktionskochfeldanlage, einen Backofen oder eine Klimaanlage betreiben will, braucht dafür eigene Starkstromkreise. All das muss vor Baubeginn festgelegt werden, weil sich nachträgliche Änderungen unverhältnismäßig teuer werden.

Detaillierte Informationen zum konkreten Ablauf und zu den Entscheidungen, die bei einer Elektroinstallation erneuern anstehen, helfen dabei, das Gespräch mit dem Fachbetrieb strukturiert zu führen und keine wesentlichen Punkte zu vergessen.

Ablauf einer kompletten Neuinstallation in der Praxis

Ein realistisches Projekt läuft in mehreren Phasen ab. Zunächst wird die Bestandsanlage durch den Elektriker aufgenommen und bewertet. Dann folgt die gemeinsame Planung der neuen Stromkreise, Schalter- und Steckdosenpositionen sowie der Beleuchtung. Erst danach gibt es ein verbindliches Angebot.

  • Phase 1: Bestandsaufnahme und Schaltplanerstellung, dauert je nach Objekt einen halben bis zwei Tage
  • Phase 2: Stemmarbeiten und Kabelverlegung, häufig der zeitintensivste Teil
  • Phase 3: Montage der Unterputzdosen, Verteiler und des Zählerschranks
  • Phase 4: Anschlussarbeiten, Prüfung und Abnahme durch den Elektriker
  • Phase 5: Übergabe der Dokumentation und Prüfprotokolle

Bei einer mittelgroßen Wohnung dauert das gesamte Projekt drei bis sechs Wochen, wenn man Malerarbeiten und eventuelle Netzbetreiheranfragen einrechnet. Bei einem Haus kann es auch zwei bis drei Monate werden. Diese Zeitspanne sollte man in der Bauplanung unbedingt berücksichtigen.

Welche Normen und Vorschriften gelten

In Deutschland regeln die VDE-Normen, insbesondere DIN VDE 0100, was bei einer Elektroinstallation zulässig ist. Pflicht seit 2009 sind FI-Schutzschalter in Badezimmern, seit 2017 auch in weiteren Bereichen des Wohngebäudes. Für neu installierte Steckdosen in Räumen mit Badewanne oder Dusche gilt ein Mindestabstand von 60 Zentimetern zum Wasserbereich.

Nach Abschluss der Arbeiten ist der Elektriker verpflichtet, eine Prüfung der Anlage durchzuführen und ein Messprotokoll auszuhändigen. Dieses Dokument ist wichtig für die Gebäudeversicherung und sollte sorgfältig aufbewahrt werden. Wer es nicht vorlegen kann, riskiert im Schadensfall Probleme mit der Regulierung.

Drei Dinge, die Auftraggeber oft zu spät bedenken

Erstens: die Außensteckdosen. Garten, Garage und Terrasse werden häufig vergessen und nachträglich teuer nachgerüstet. Zweitens: die Vorbereitung für E-Mobilität. Wer heute eine Wallbox einplant, spart sich morgen eine aufwendige Nachrüstung. Der Leitungsquerschnitt muss dann von Anfang an passen. Drittens: Datenleitungen. Auch wenn WLAN heute nahezu überall funktioniert, ist eine strukturierte Netzwerkverkabelung mit CAT-7-Leitungen in einer grundsanierten Immobilie der deutlich zuverlässigere Weg, besonders für Home-Office-Arbeitsplätze oder Streaming-Anwendungen.

Wer diese Punkte frühzeitig anspricht, zahlt für die Mitverlegung der Leitungen kaum mehr. Wer es vergisst, zahlt später das Doppelte und muss frisch gestrichene Wände wieder aufbrechen.

Eine neue Elektroinstallation ist eine Investition in die Sicherheit und den Wert einer Immobilie. Mit realistischen Kostenerwartungen, einem erfahrenen Fachbetrieb und einer durchdachten Planung lässt sie sich auch in bewohnten Häusern ohne größeres Chaos umsetzen. Entscheidend ist, die richtigen Fragen frühzeitig zu stellen und nicht erst dann, wenn der Elektriker bereits auf der Baustelle steht.

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Martin Seidel
Einträge.de-Redaktion

Martin Seidel verantwortet die Verzeichnis-Redaktion von Einträge.de. Er prüft Firmeneinträge auf Vollständigkeit und Plausibilität und pflegt die Branchen-Stadt-Listen. Zuvor hat er mehrere Jahre Firmendaten für regionale Wirtschaftsportale recherchiert und aufbereitet.

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